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Sonntag, 26. September 2010

Teebaum-Öl wirkt gegen allergische Erscheinungen


Teebaum-Öl wird seit Jahren von diversen Behörden und Politikern misstrauisch beäugt, fast verfolgt und ist immer wieder von Verboten bedroht, weil es angeblich so ein starkes Allergie-Potenzial hat. Das gilt jedoch entsprechend langjähriger Erfahrungen nur für alte/oxidierte und verfälschte Teebaumöle (die leider allzu oft verkauft werden).
In einer aktuellen schwedischen Studie wurde das australische "Wunder-Öl" mit gängigen Hautmedikamenten verglichen, um unangenehme Erscheinungen von allergischen Hauterkrankungen zu mildern. Es musste gegen L-Menthol, Ichthammol, Clobetason-Butyrat, Zinkoxid und auch ein mittelstarkes Kortisonpräparat antreten, um eine Kontaktdermatitis und Juckreiz zu lindern. Obwohl (viel zu hoch dosiert!) Teebaumöl 20- und 50%-ig eingesetzt wurde, konnte es die allergische Dermatitis um 40,5 Prozent reduzieren. Clobetason-Butyrat schaffte 23,5 Prozent Besserung, Zinkoxid schaffte 17,4 Prozent. Ichthammol reduzierte die histamininduzierte Rötung um 19,2 Prozent, Zinkoxid um 18, 5 Prozent, Clobetason-Butyrat um 44,1 Prozent. Histamininduzierter Juckreiz konnte mit keinem der Mitteln beeinflusst werden. Als Schlussfolgerung meint Autorin Joanna Wallengren, dass Teebaumöl ein effektiveres antiekzematisches Mittel zu sein scheint als Zinkoxid und Clobetason-Butyrat. [Wallengren J. Tea tree oil attenuates experimental contact dermatitis. Arch Dermatol Res. 2010 Sep 24.]

Donnerstag, 29. Juli 2010

Leinsamen senken Cholesterinspiegel


In einer kleinen dreimonatigen Studie an 90 Patienten an der Fakultät für Ernährungsstudien der Iowa State University (USA) konnte gezeigt werden, dass der Konsum von mindestens täglich 150 mg Leinsamen (circa drei Esslöffel) einen erhöhten Cholesterinspiegel senken konnte. Interessanterweise wirkte der östrogenartige Stoff Lignan nur bei Männern in diese Richtung.
Tipp: Das "Gewürz" namens Gomasio (mit Meersalz gemörserter Sesam) kaufen, mit geschrotetem goldenen Leinsamen 1:1 mischen und etwas davon auf viele Gerichte sprenkeln. Eventuell mit 1 Tropfen Limettenöl würzen/anreichern (gut durchmischen).

Mittwoch, 28. Juli 2010

Cryptomeria japonica D.Don - Japanische Sicheltanne

Ein ganz seltenes ätherisches Öl wird aus dem aromatischen Holz oder den Nadeln der Japanischen Sicheltanne gewonnen. "Sichel" weil die ständig herabfallen Zweige wie urtümliche Sicheln geformt sind und auch weil die Nadeln dieses japanischen Riesen-Baumes sichelförmig gebogen sind.


Ich habe einige Studien zur Wirkweise der beiden ätherischen Öle gefunden:
  • An Mäusen mit Prostatakrebsstellte sich heraus, dass ein neu gefundenes Abietan-Diterpen mit dem wissenschaftlichen Namen 6-Hydroxy-5,6-dehydrosugiol (HDHS) ein deutlicher Androgen-Rezeptor-Antagonist ist. Bei einmal täglich 0.5 and 2.5 mg/kg (der Mäuse), 24 lang eingesetzt unterdrückte das ätherische Öl das Tumorwachstum um 22% bzw. 39%, zudem wurde die Apoptose (programmierter Zelltod) der kranken Zellen beschleunigt. Lin FM, Tsai CH, Yang YC, Tu WC, Chen LR, Liang YS, Wang SY, Shyur LF, Chien SC, Cha TL, Hsiao PW. A novel diterpene suppresses CWR22Rv1 tumor growth in vivo through antiproliferation and proapoptosis. Cancer Res. 2008 Aug 15;68(16):6634-42.   
  •  
  • Verschiedene Pflanzenteile der Cryptomeria wurden im Labor auf ihre insektifuge (insektenvertreibende) Wirkung auf Stechmücken (Aedes aegypti und Aedes albopictus) untersucht, der Extrakt der Nadeln war am wirksamsten, daraus wiederum der Hauptinhaltsstoff Terpineol-4 (auch reichtlich in Teebaumöl vorkommend). Gu HJ, Cheng SS, Lin CY, Huang CG, Chen WJ, Chang ST. Repellency of essential oils of Cryptomeria japonica (Pinaceae) against adults of the mosquitoes Aedes aegypti and Aedes albopictus (Diptera:Culicidae).
    J Agric Food Chem. 2009 Dec 9;57(23):11127-33.

     
  • Das ätherische Öl aus den Nadeln der Cryptomeria zeigte eine gute Wirkung gegen antibiotika-resistente Bakterien wie Propionibacterium acnes and Staphylococcus epidermidis, welche bei Akne vorkommen. Yoon WJ, Kim SS, Oh TH, Lee NH, Hyun CG. Cryptomeria japonica essential oil inhibits the growth of drug-resistant skin pathogens and LPS-induced nitric oxide and pro-inflammatory cytokine production. Pol J Microbiol. 2009;58(1):61-8.

Erhältlich ist dieses besondere ätherische Öl beispielsweise bei Maienfelser. Wer Ruth von Braunschweig in der größten Sicheltanne Irlands sitzen sehen möchte, schaue hier.

Sonntag, 25. Juli 2010

Teebaum - Melaleuca alternifolia (Maid. et Bet.) Cheel

Neben den ätherischen Ölen von Lavendel, Pfefferminze, Kamille und Manuka gehört Teebaumöl zu den am besten untersuchten Ölen, nicht zuletzt deshalb, weil die australische Regierung Untersuchungen zu diesem wichtigen Exportschlager lange Jahre  unterstützte. Eine recht neue siebenseitige französische Studie fasst zusammen, dass Melaleuca alternifolia entzündungshemmend wirkt, indem es die Ausbreitung von Entzündungsmediatoren (eine Art entzündungsfördernde Gewebehormone) unterbindet. Das Öl wirkt auch antioxidativ und somit gewebeschützend.
Hier die Original-Zusammenfassung, sie liest sich nicht einfach, kann jedoch den Pflegenden helfen, zweifelnde Chefs zu überzeugen; den entscheidenden Satz am Ende habe ich fett markiert (wer kein englisch kann, sollte rechts das Google-Übersetzungs-Werkzeug bemühen).
  • The fungicidal and bactericidal actions of the essential oil (EO) of Melaleuca alternifolia seem well established, but their anti-inflammatory and antioxidative effects remain unclear. This study investigated in vitro the possible role of whole Melaleuca alternifolia EO as a modulator of the inflammatory/non-specific immune response by exploring the chemotaxis and kinetic radical oxygen species (ROS) production of leukocytes and cytokine secretion in peripheral blood mononuclear cells (PBMCs) in humans.
    The influence of Melaleuca alternifolia EO on the chemotaxis under agarose of isolated neutrophils (PMNs)was evaluated. The kinetics of ROS production by stimulated total circulating leukocytes was followed over2 h by recording the fluorescence intensity of oxidized dihydrorhodamine 123. The effects of this EO on pro-(interleukin IL-2) and anti-(IL-4 and IL10) inflammatory cytokine secretions were determined by ELISA following incubation of PBMCs with the EO for 24 h.
    Melaleuca alternifolia EO inhibited PBMC proliferation, as revealed by a reduction in IL-2 secretion by stimulated lymphocytes. This EO at 0.1% directly increased the secretion of the anti-inflammatory cytokine IL-4 compared with IL-4 secretion without EO (18.5 ± 10.0 vs 3.3 ± 1, p Melaleuca alternifolia EO may not only act as an anti-inflammatory mediator through its antioxidant activity but may also efficiently protect the organism by reducing the proliferation of inflammatory cells without affecting their capacity to secrete anti-inflammatory cytokines.
[F. Caldefie-Chézet, C. Fusillier, T. Jarde, H. Laroye1, M. Damez, M-P. Vasson and J. Guillot. Potential Anti-inflammatory Effects of Melaleuca alternifolia Essential Oil on Human Peripheral Blood Leukocytes. Phytotherapy Research 20, 364–370 (2006]

Samstag, 24. Juli 2010

Omega-3-Fettsäuren

Vegetarier lehnen die Einnahme von Fischölkapseln ab und Fischgerichte essen sie oft auch nicht. So kann es zu einem Mangel an Omega-3-Fettsäuren (α-Linolensäure, EPA, DHA) kommen, der sich an trockener-schuppiger Haut und Schwächeln des Immunsystems äußern kann, auch an Unkonzentriertheit und Vergesslichkeit, Menstruationsunregelmäßigkeiten bei Frauen, Unfruchtbarkeit und vielem mehr. Man glaubt auch, dass diese Fettsäuren, welche einen deutlichen Anteil unserer Nervenzellen und damit der Gehirnmasse darstellen, eine gute Prävention gegen Demenzerkrankungen sein könnten.
In einer neuen Studie zeigte sich durch die Gabe von Leinöl (enthält vor allem α-Linolensäure) und Fischöl (enthalten vor allem EPA und DHA-Fettsäuren) eine signifikante Verbesserung der Versorgungslage mit Omega-3-Fettsäuren. Leinöl führt zu einer deutlichen Erhöhung der Konzentration von α-Linolensäure und zu einem Anstieg von EPA, nicht jedoch von DHA. Ausgeprägtere Konzentrationsanstiege für EPA und DHA lassen sich durch Fischöl erreichen. Leinöl, nicht jedoch Fischöl, führt zu einer wünschenswerten Absenkung der  Konzentration an Arachidonsäure, welche für degenerativ-entzündliche Erkrankungen verantwortlich ist [Stossier H, BayerW: Einfluss von Leinöl und Fischöl auf den Fettsäurestatus. ZfOrthomolMed. (2009) 4: 11–15] Abbildung: Blüten von Linum usitatissimum

Donnerstag, 22. Juli 2010

Ätherische Öle bei Demenzen

Ätherische Öle eignen sich zum einen durch ihre geringe Größe und wegen ihrer Fettlöslichkeit sehr gut zum sanft stimulierenden Einsatz bei demenziellen Erkrankungen. Zudem ist die ‚Außenstelle des Gehirns’, also die Riechschleimhaut mit ihren unzähligen Neuronen, mit den natürlichen Duftstoffe hervorragend zu erreichen. Zwei von Wissenschaftlern bereits untersuchte Ansätze machen die Aromapflege für diesen Bereich besonders viel versprechend:
Die Förderung der zerebralen Durchblutung
Da Duftmoleküle sehr klein und fettlöslich sind, haben sie eine besondere Affinität zu lipidartigen Strukturen wie den Zellmembranen, an welche sie sich anlagern können und beispielsweise Ionenkanäle beeinflussen können (Wink 2005, Teuscher 1990). Manche Bestandteile von ätherischen Ölen durchdringen die Blut-Hirn-Schranke und fördern an unterschiedlichen Stellen die zerebrale Durchblutung (Jäger 1996). Mit modernen bildgebenden Verfahren wie der funktionellen Magnetresonanztomografie (fMRT) kann gezeigt werden, dass Duftstoffe bestimmte Gehirnareale stimulieren, was zu einem gesteigerten zerebralen Blutfluss führt. Dieser bewirkt eine Signaländerung, weil sich das Verhältnis von oxigeniertem und desoxigeniertem Hämoglobin verändert (Heuberger 2009). In einer Studie an acht freiwilligen Probanden – darunter einer Dame, die nicht mehr riechen konnte – wurde gezeigt, dass der Blutfluss im Gehirn nach Inhalation von 1,8-Cineol signifikant erhöht war, ähnlich wie sich bei Tierexperimenten zeigte, dass die Bewegungs-Zentren im Gehirn durch diesen Inhaltsstoff beeinflusst werden (Buchbauer 2003).
Die Inhibition von Acetylcholinesterase
Die ätherischen Öle von Salvia lavandulifolia (Lavendelsalbei, Foto), Salvia officinalis (Salbei), Rosmarinus officinalis (Rosmarin) und Citrus medica (Zedratzitrone) sowie Carvacrol (Hauptinhaltsstoff in den Ölen von Thymian Ct. Carvacrol und Bohnenkraut) und 1,8-Cineol (Hauptinhaltsstoff in den Ölen von vielen Eukalyptusarten, Ravintsara, Myrte Ct. Cineol, Cajeput, Niaouli) üben eine inhibitorische Wirkung auf die bei Morbus Alzheimer zu übereifrige Acetylcholinesterase aus (Rosa 2009 und 2008, Jukic 2006, Savelev 2004, Tildesley 2002, Perry 2002 und 2000). Das führt zu einem Mangel an Acetylcholin und löst viele der typischen Symptome aus. Somit basiert die pharmakologische Wirkung etlicher ätherischer Öle auf dem gleichen Prinzip wie die der gängigen Medikamente.
PS. Die Hinweise zu Studien stammen aus dem Fachbuchbeitrag von Eliane Zimmermann in: Das praktische Handbuch der Demenz, Verlag Forum Gesundheitsmedien, Augsburg 2009

Montag, 19. Juli 2010

Duftstoff gegen Tumore

Eine interessante Pressemeldung:
Veilchenduft stoppt Prostatakrebs
JBC: Bochumer Forscher „enttarnen“ Riechrezeptor
Hormonmetaboliten blockieren Zellvermehrung

Ein Protein mit bislang unbekannter Funktion, das in Prostatakrebszellen massenhaft hergestellt wird, haben Bochumer Biologen um Prof. Dr. Dr. Dr. Hanns Hatt jetzt als Riechrezeptor für Veilchenduft „enttarnt“. Zwar kommt in der Prostata der Blumenduft nicht vor, dafür aber ein sehr ähnlich aufgebautes Molekül als Stoffwechselprodukt des männlichen Sexualhormons Testosteron. Weitere Untersuchungen ergaben, dass dieses Steroidhormon ebenfalls den Riechrezeptor aktivieren kann und der Zelle auf einem neu entdeckten Signalweg das Kommando gibt, die Zellteilung zu stoppen. „Das heißt praktisch, dass man mit Veilchenduft das Prostatakrebswachstum anhalten kann“, spitzt Prof. Hatt die Ergebnisse zu. Weitere Tests sollen zeigen, ob die Erkenntnisse therapeutisch anwendbar sind. Die Studie ist online im Journal of Biological Chemistry veröffentlicht.

Spermien riechen Maiglöckchen, Prostatazellen Veilchen
Nachdem sie bereits Riechrezeptoren für Maiglöckchenduft in menschlichen Spermien nachgewiesen hatten, stießen die Bochumer Forscher jetzt auf einen weiteren dieser Rezeptoren, der auch außerhalb der Nase vorkommt: den Rezeptor für Veilchenduft in Prostatazellen. Um seine Funktion zu ergründen, statteten sie zunächst Nierenzellen mit dem genetischen Bauplan für das Rezeptorprotein aus und konfrontierten sie mit einer komplexen Mischung von Duftstoffen, um festzustellen, welcher von ihnen an den Rezeptor andockt und ihn aktiviert. Die Zellantwort – eine vermehrte Calcium-Ausschüttung – konnten sie mittels Calcium-sensitiven Farbstoffen beobachten. Ergebnis: Der Rezeptor hOR 51 E2 reagierte auf beta- Ionon, den klassischen Veilchenduft, und auf Steroidhormone (z.B. Dihydro-Testosteron), die in ihrer Molekülstruktur Ähnlichkeit mit dem Veilchenduft-Molekül haben. Tests mit gesunden Prostatazellen bestätigten die Ergebnisse, auch sie konnten die Substanzen „riechen“. Die Forscher machten auch die Gegenprobe, indem sie in die Prostatazellen eine Gensequenz einschleusten, die die Rezeptorherstellung unterbindet. Diese Zellen reagierten nicht mehr auf den Duft oder das Steroidhormon.

Zellwachstum nahe Null
„Die Frage war dann natürlich: Welche Funktion hat der Rezeptor in der Prostatazelle? Und welchen Signalweg löst er aus?“, erklärt Prof. Hatt. Die Forscher stießen auf eine ältere Studie, die ein Protein unbekannter Struktur beschrieb, das vor allem in Prostatakrebszellen verstärkt gebildet wird. Bei näherem Hinsehen entpuppte es sich als genau der Veilchenduftrezeptor, den die Bochumer Wissenschaftler untersuchten. Aus der Urologischen Klinik Herne der Ruhr-Universität (Prof. Dr. Joachim Noldus) besorgten sie sich daher aus Operationsmaterial Prostatakarzinomzellen für weitere Untersuchungen. Die Zellantwort auf Veilchenduft oder das Steroidhormon war erwartungsgemäß hoch, da der Rezeptor in großen Mengen vorkommt. Besonders interessant war für die Forscher jedoch die Wirkung des Veilchenduftes bzw. des Steroidhormons auf die Krebszellen: Das Zellwachstum nahm signifikant ab und sank gegen Null. Weitere Tests zeigten, dass der Signalweg ein völlig anderer ist als bei Riechzellen. Das Rezeptorsignal wird direkt an den Zellkern übermittelt, der dann dafür sorgt, dass die Zellteilungsrate reduziert wird. Untersuchungen an Mäusen sollen jetzt zeigen, ob das, was in Zellkulturen entdeckt wurde, auch im Organismus funktioniert. „Dann wird man die Erkenntnis irgendwann vielleicht therapeutisch gegen Prostatakrebs einsetzen können“, hofft Prof. Hatt.

[Eva M. Neuhaus, Weiyi Zhang, Lian Gelis, Ying Deng, Joachim Noldus and Hanns Hatt: ACTIVATION OF AN OLFACTORY RECEPTOR INHIBITS PROLIFERATION OF PROSTATE CANCER CELLS. In: The Journal of Biological Chemistry, doi: 10.1074/jbc.M109.012096],
Pressemeldung Nr. 148, Bochum, 18.05.2009

Das Bild zeigt Iris pallida, aus deren Rhizomen das kostbare Iriswurzelöl destilliert wird. Es duftet fein pudrig und ist so ziemlich das teuerste, was Ätherische-Öle-Firmen zu bieten haben. Erhältlich in bester Qualität, auch bezahlbar weil in Alkohol verdünnt (pur riecht es nicht so toll) bei Neumond, Farfalla und Primavera (Links in der rechten Spalte eher unten).

Sonntag, 18. Juli 2010

Datenbank mit seriösen wissenschaftlichen Studien

Wer einen richtigen Rundum-Einblick an Studien benötigt, sollte sich der sensationellen Datenbank von Bob Harris EORC bedienen. Sie ist kostenpflichtig, da es sich um ein privat-kommerzielles Projekt handelt und in englischer Sprache verfasst. Er ist der Herausgeber des renommierten International Journal of Clinical Aromatherapy und gehört zu den Pionieren des wissenschaftlich orientierten Umgangs mit ätherischen Ölen.

Sonntag, 6. Dezember 2009

Ätherische Öle sind steril

Eine der häufigen Hürden von engagierten Krankenpflegenden, die zwecks Vermeidung von unnötigen Infektionen und besserer Granulierung ätherische Öle auf Wunden einsetzen möchten, ist die unbegründete Angst, dass die Öle von zahlreichen Keime bevölkert sein könnten. Man kann jedoch Ärzten und PDLs versichern, dass ordnungsgemäß gelagerte und verwendete ätherische Öle genau so keimfrei sind wie Ethanol (Weingeist). Bei diesem Alkohol nimmt kein Mediziner an, dass er Wunden verunreinigen könne. Fast alle ätherischen Öle bestehen bekanntlich aus einem hohen Anteil an Alkoholen (Monoterpenole wie Linalool und Geraniol, Sesquiterpenole, Diterpenole) und sogar an noch stärker keimtötenden phenolischen Verbindungen (Thymol, Carvacrol, Eugenol etc). Eine Studie hat das belegen können. Acht unterschiedliche ätherische Öle wurden im Laden gekauft und labortechnisch untersucht. Sie waren steril. Nach absichtlicher Verunreinigung mit den typischen Krankenhauserregern MRSA, Candida und Pseudomonas waren sie jeweils nach einiger Zeit wieder in Ordnung. Die Studie ist für 32 Dollar bei Springer erhältlich. [Fiona Maudsley & Kevin G. Kerr: Microbiological safety of essential oils used in complementary therapies and the activity of these compounds against bacterial and fungal pathogens. Support Care Cancer (1999) 7:100–102]

Samstag, 5. Dezember 2009

Eukalyptus - Eucalyptus globulus Labill.

Es gibt seit etlichen Jahren eine standardisierte Mischung aus ätherischen Ölen, die in australischen Kliniken angewendet wird: Lemongrass, Eukalyptus (Abbildung), Teebaum, Gewürznelke und Thymian. Sie heißt Polytoxinol ® und hat schon so manchen Menschen nach monatelanger erfolgloser Medikation mit Antibiotika vom Befall befreit oder sogar eine Amputation der betroffenen Gliedmaßen verhindern können. Darüber gibt es zahlreiche Fallstudien in seriösen wissenschaftlichen Fachzeitschriften, beispielsweise hier. Die Mixtur gibt es in Salben und Cremes eingearbeitet. Damit impregnierte Kalziumsulphat-Pellets (Osteoset™) können in infizierte und amputationsbedrohte Knochen appliziert werden.
Eine ähnliche Mischung namens Kielmix® wird von aufgeschlossenen Medizinern auf stinkenden Krebstumoren eingesetzt, die sowohl Patienten, als auch Pflegenden und Besuchern das Leben schwer machen. Zunächst wurde mit diesen eher preiswerten ätherischen Ölen eine reine Reduzierung des Geruchs vorgesehen, dann konnte man eine sehr positiv-palliative (Neben-)Wirkung auf das Tumorgeschehen feststellen. [Stephan T. Becker, Eugene Sherry, Sureshan Sivananthan, Harald Essig, Jörg Wiltfang, Ingo N. Springer, Joachim Bredée, Patrick H. Warnke. Behandlung fötider Tumorulzerationen mit ätherischen Ölen (KIELMIX®) in der Palliativmedizin · Zeitschrift für Phytotherapie 06/2006, Hippokrates Verlag]. Gratisabo dieser Fachzeitschrift: MVS Medizinverlage Stuttgart
Kielmix® enthält laut Herstellerfirma:
Eukalyptusöl 136mg
Teebaumöl 131mg
Lemongrassöl 86mg
Zitronenöl 71mg
Gewürznelkenöl 73mg
Thymianöl 26mg
Ethanol (Weingeist) 347mg

Dienstag, 1. Dezember 2009

Manuka - Leptospermum scoparium J.R. Forst. et G. Forst


Dieser kleine Baum oder große Strauch hat seine Heimat in Neuseeland, er kommt dort in 86 Arten vor. Sein wissenschaftlicher Name Leptospermum scoparium kommt manchen Menschen befremdlich vor. Dabei heißt der Gattungsname nichts anderes als "schmale Samen" [Eselsbrücke: Leptosom, der schlanke, hagere Mensch]. Sie sehen eher wie winzige braune Fusseln aus, man sieht den einzelnen Samen kaum mit bloßem Auge. Sie befinden sich - ähnlich wie beim Eukalyptus - in circa 2 mm breiten ufo-förmigen Kapseln. Scoparium ist der Gattungsname des Besenginsters und beschreibt, wie die meisten zweiten Bestandteile des botanischen Namens, die Pflanze. Die Manuka-Sträucher sind oft genau so zerzaust und besenartig wie eben die Ginsterbüsche.
Außer im Mai und Juni sieht Manuka nicht sonderlich attraktiv aus. Seine sich schälende Rinde erweckt fast Mitleid, sein wuchs wirkt oft gagelig, zottelig, zerzaust - Manuka glänzt eher durch innere Werte. In besonders stark antibiotischer Qualität wächst der Baum in der neuseeländischen Region namens East Cape und wird seit "Ewigkeiten" von den Aborigines als Allheilmittel geschätzt und verwendet. So verwundert es nicht, dass die neuseeländische Regierung viel Geld in unzählige wissenschaftliche Studien über die auch Teatree genannte Pflanze investiert hat, um einerseits die Wirksamkeit gegen viele verschiedene Bakterienstämme zu untersuchen, andererseits konnte auch die extrem gute Verträglichkeit nachgewiesen werden. Der hohe Anteil an Sesquiterpenen und Triterpenen macht das Öl sehr hautverträglich und zudem wesentlich haltbarer als das kurzlebige australische Teebaumöl (Melaleuca alternifolia). Beide zusammen sind eine wunderbare Kombi im Kampf gegen den gefürchteten Krankenhauskeim MRSA, der jährlich tausende von Menschen das Leben kostet und der kaum noch mit Antibiotika zu bekämpfen ist.
In einer Vergleichstudie (Kursbuch E. Zimmermann S. 77 und 78) konnte bei vielen - vor allem grampositiven - Keimen gezeigt werden, dass Manukaöl circa 33x wirksamer ist als Teebaumöl (Melaleuca alternifolia). Bei gramnegativen Keimen hat jenes dennoch die Oberhand. Besonders sinnvoll hat sich in der Praxis darum erwiesen, beide Öle in antibakteriellen Mischungen zu kombinieren. So erreicht man auch eine Stabiliserung des etwas oxidationsempfindlichen Teebaumöles.

Manuka-Honig trägt oft die Bezeichnung UMF mit einer Zahl von 10 bis 16 (Unique Manuka Faktor). Nicht jeder Manuka wirkt antibiotisch, darum hat man dieses Siegel eingeführt, so dass der Kunde sich die Qualität seiner Wahl aussuchen kann. Je höher die Zahl, desto teurer das Produkt, kein UMF-Siegel ist ganz normaler hochwertiger Speisehonig. Eine neue Studie (Januar 2008) von Prof. Dr. Thomas Henle und seinem Team von der TU Dresden konnte endlich zeigen, warum dieser Honig so einzigartig antibakteriell wirkt: Je höher der Gehalt an Methylglyoxal ist, desto besser. Die Bezeichnung für einen besonders methyloxalreichen Manuka-Honig ist MGO 400.
In der englischsprachigen Welt ist der Heilwert dieses tollen Produktes bereits recht bekannt, auf YouTube findet man innerhalb eines recht informativen Werbefilmchens sogar ein Videoclip mit einem Interview mit Prof. Henle.
Im klinischen Bereich setzt sich nun auch in Deutschland ganz langsam Medihoney durch, ein standardisiertes Verbandsystem mit Manukahonig und anderen Honigen, das bei chronischen Wunden erstaunlich gut hilft. Ein Team der Uni Bonn um Aromatherapie-Spezialistin Gisela Blaser testet es intensiv, insbesondere an krebskranken Kindern.
Auf YouTube findet man sogar den Ausschnitt einer britischen Fernsehshow, in der Sängerin Katherine Jenkins die Vorzüge des Honigs bei Halsweh und Heiserkeit fröhlich anpreist. Selbst die Herstellung des sehr hitzeempfindlichen Honigs kann man auf dieser Film-Website anschauen. Sogar das Anlegen eines Manuka-Wundverbandes kann man sich anschauen!

In Sachen Herpes labialis ist Manukaöl für viele betroffene Menschen unverzichtbar geworden. Fast 90 Prozent aller Einwohner von Industrienationen sind mit dem Erreger der lästigen und bisweilen sehr schmerzhaften Lippenbläschen infiziert, in der Fachsprache heißt er HSV-1. Sein 'Vetter' Herpes simplex 2 (HSV-2) ist für die nicht minder angenehmen Bläschen auf den Genitalschleimhäuten verantwortlich, dieses Virus belästigt immerhin bereits bis zu 30% aller Menschen in Industrienationen. Beide sind nur schwer mit konventionellen Mitteln behandel- und kontrollierbar das sie sich in den Nervenganglien ihrer Wirte 'verstecken' und dort vermutlich ein Leben lang verbleiben - meistens inaktiv, doch in Zeiten eines geschwächten Immunsystems beispielsweise wegen Stress oder anderen Erkrankungen schlagen sie dann zu.
Ein Gruppe von Wissenschaftlern der Universität Heidelberg widmet sich seit vielen Jahren diesem Thema, sie haben sich diesbezüglich vor allem den ätherischen Ölen von Leptospermum scoparium (Manuka), Melaleuca alternifolia (Teebaum) und Melissa officinalis (Echte Melisse) gewidmet. Mit Hilfe einer aufwändigen Methode namens Plaquereduktionstest kann man die Wirkung von Viren im Labor untersuchen und diese drei Öle kristallisierten sich immer wieder als besonders erfolgreich heraus. Man untersuchte nicht nur die eigentliche antivirale Wirkung sondern auch die Entwicklungs- bzw. Angriffstadien der Viren. Ein Vorbehandlung der Wirtszellen mit Manukaöl beispielsweise brachte nichts, doch nach Eindringen in die Wirtszelle konnte HSV-1 durch Manukaöl in der Replikationsphase (wenn er sich also vermehrt) empfindlich gestört werden (41%, es bildete sich weniger die Hälfte der nächsten Generation von Viren). Das heißt im praktischen Leben, dass man die Behandlung mit ätherischen Ölen sofort nach den ersten winzigen Symptomen starten sollte (zB Spannen, Jucken, Hitzegefühl). Ich nehme einfach eine Mischung aus je einen Tropfen Melissen-, Teebaum- und Manukaöl in 5 ml Olivenöl oder Aloe vera-Gel und von dieser Mixtur gebe ich alle 10 Minuten einen Tropfen auf die betreffende Stelle. Oft bricht das Ding erst gar nicht richtig aus. [Schnitzler P, Schuhmacher A, Astani A, Reichling J: Melissa officinalis oil affects infectivity of enveloped herpesviruses. Phytomed 2008 Aug 5;15(9):734-740. Reichling J, Koch C, Stahl-Biskup, E, Sojka C, Schnitzler P: Virucidal Activity of a beta-Triketone-Rich Essential Oil of Leptospermum scoparium (Manuka Oil) Against HSV-1 and HSV-2 in Cell Culture. Planta Med 2005; 71:1123-1127 Schnitzler p, Schön K, Reichling J: Antiviral activity of Australian tea tree oil and eucalyptus oil against herpes simplex virus in cell culture. Pharmazie 2001; 56 4:343-47]

Montag, 30. November 2009

Lavendel - Lavandula angustifolia Mill.


Lavendelöl ist eines der am besten durchleuchteten ätherischen Öle. Für den deutschprachigen Bereich hat sich Pharmakologe Prof. Dr. Gerhard Buchbauer (Uni Wien, 2008 in Ruhestand gegangen) besonders hervorgetan, er und sein Team haben es mehr als 20 Jahre an Tier und Mensch untersucht.
  • Beispielsweise wurde der Einfluss von Lavendelöl auf unsere GABA-Rezeptoren (Gamma-Amino-Buttersäure) untersucht, das sind Empfangszellen für bestimmte Neuroproteine, so eine Art Gehirnhormone, die uns ruhig werden lassen und er postuliert ausdrücklich, dass die entkrampfende Wirkung von Linalylacetat sogar bei Epilepsie wirken könnte. Das Öl bzw. ein Einstreu dieser Heilpflanze hat in einer Studie sogar nervöse 32 Hunde, die mit Autofahrten nicht zurecht kamen, deutlich beruhigt. [Deborah Wells, Sep 2006; J Am Vet Med Ass 229(6):964-7.] Auch 55 unruhige Hunde in einem Tierheim konnten durch Lavendelduft deutlcih entspannen. [DL Wells, L Graham, P Hepper; Aug 2004; Canine Behaviour Centre Belfast]
  • Eine Untersuchung an Schweinen wegen Reisestress und Reisekrankheit auf dem Weg zum Schlachthof zeigte dass eine Beimischung von Lavendel unter die normale Einstreu eine signifikante Verringerung der Stress-Symptome, messbar am Cortisol-Gehalt im Schweinespeichel, erbrachte. [Buchbauer G: Über biologische Wirkungen von Ätherischen Ölen und Duftstoffen“ in Österreichische Apotheker-Zeitung 14, Wien 2003]
  • Untersuchungen an Mäusen, bei denen Krämpfe durch das Medikament Pentetrazol, durch Nikotin oder durch Elektroschocks ausgelöst wurden, zeigten nach Inhalation von Lavendelduft eine signifikante, dosisabhängige Verringerung der Krämpfe. Der Inhaltsstoff Linalool im Lavendelöl hemmt die Ausschüttung von Acetylcholin, einem Botenstoff, und die Öffnung von Kanälen an Zellmembranen von neuromuskulären Verbindungen. [Buchbauer G: Über biologische Wirkungen von Duftstoffen und ätherischen Ölen“ in Wiener Medizinische Wochenschrift 154/21-22: 539-547, Springer 2004]
  • Eine Studie an freiwilligen Probanden an der Universität Wien zeigte, dass Lavendelöl hemmend auf die spontane motorische Aktivität wirkt. Mit EEGs ist messbar dass das Öl auch wirkt anxiolytisch (Angst lösend) wirkt. [Buchbauer G: Über biologische Wirkungen von Ätherischen Ölen und Duftstoffen“ in Österreichische Apotheker-Zeitung 14, Wien 2003]
  • Eine Schlaf-Studie wurde in der renommierten medizinischen Fachzeitschrift Lancet publiziert: Bei gesunden Senioren, die jedoch Schlafmittel nahmen, wurden zwei Wochen lang deren Schlafstunden gemessen. Zwei Wochen nach Absetzen ihrer Medikation zeigte sich, dass ihre Schlafdauer deutlich verringert war. Anschließend führte man zwei Wochen eine Raumbeduftung (durch Lüftung) mit Lavendelöl durch und die Schlafdauer kam auf das gleiche Niveau wie nach Verabreichung eines Schlafmittels. [Hardy M, Kirk-Smith M, Strech D: Replacement of drug treatment for insomnia by ambient odour. Lancet 346:701· 1995]
  • Die lokalanästhetische Wirkung wurde in einer In vitro-Studie an Zellen und In vivo-Studie an Kaninchen (-Schwänzen) mit einem nicht als schmerzlindernden Öl verglichen [Lavandula officinalis-Öl (31,5% Linalool, 43,6% Linalylacetat) vs. Citrus limon und Citrus reticulata]. Die dosisabhängige lokalanästhetische Wirkung von Lavendelöl wurde bestätigt, bei Zitrusölen war kein Effekt zu beobachten. Vermutet eine Blockade der Natrium- oder Kalzium-Kanäle an den betroffenen Zellmembranen. [Ghelardini C & al. 1999 Local anaesthetic activity of the essential oil of Lavandula angustifolia. Planta Med 65: 700-703]
  • In einer plazebokontrollierte Studie an dementen geriatrischen Patienten wurde eine
    Raumbeduftung mit Lavendelöl vorgenommen und 60 Prozent der Patienten waren deutlich weniger unruhig. [Holmes C, Hopkins V, Hensford C, MacLaughlin V, Wilkinson D, Rosenvinge H: Lavender oil as a treatment for agitated behaviour in severe dementia: a placebo controlled study. in International Journal of Geriatric Psychiatry 17/4 2002]
Möglicherweise wird es Lavendelöl nach einer Veröffentlichung von Ende 2008/Anfang 2009 ähnlich ergehen, wie Teebaumöl, das viele Verbots-Versuche nur ganz knapp überstanden hat. Bis jetzt. Folgende schwedische Zusammenfasssung, die keine exakten Zeit-Angaben beeinhaltet, besagt, dass Lavendelöl nach Kontakt mit Sauerstoff keine schützenden Faktoren gegen Oxidationsprozesse aufweist. Nach diesem Luftkontakt seien in dem Öl allergen wirksame Wasserstoffperoxide, die Allergikern das Leben schwer machen können. [Hagvall L, Sköld M, Bråred-Christensson J, Börje A, Karlberg AT. Lavender oil lacks natural protection against autoxidation, forming strong contact allergens on air exposure. Contact Dermatitis. 2008 Sep;59(3):143-50.]